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Seit Saisonbeginn lässt der Hamburger Fußball-Verband alle Spiele der Oberliga Hamburg live übertragen. Über ein eigenes Portal mit Youtube-Stream kann jeder Nutzer alle Spiele schauen, sofern gewünscht. Ein Umstand, für den sich der HFV feiert, jetzt aus Altona aber heftig kritisiert wird. Die Frage ist: was ist dran an der Kritik? Und wie sehen es die Fans der Liga?
AFC ohne kommentierten Livestream
Erstmals lief am letzten Wochenende ein Livestream aus Altona ohne Kommentar. Zwei Tage zuvor hatten sich die Macher an die Öffentlichkeit gewandt, dass man sich vom Verband gegängelt, ja eingeschränkt fühlt und man daher keinen Sinn mehr darin sieht, den Stream weiterzuführen. „Unsere Selbstdarstellung als Stream von Altona für Altona (und alle Interessierten Gäst*innen – selbstverständlich!), unser emotionaler Kommentar durch die AFC-Brille und selbst unsere politische Haltung wurden seitens des HFV angemahnt. Darüber hinaus wurde der Kommentarbereich – elementarer Bestandteil unserer Communityarbeit – fortan nur noch dann freigeschaltet, wenn er vom HFV moderiert wurde“, heißt es in der Stellungnahme der AFC-Streammacher. Die Kritik wurde vom Verein mit unterstützt.
Dem Gegenüber steht der Hamburger Fußballverband, möchte sein Produkt bestmöglich vermarkten. Und das natürlich möglichst einheitlich, mit gleicher Qualität für alle. Da passt es dann nicht, dass ein Club deutlich heraussticht. Oder die Kommentatoren zu parteiisch sind.
Irgendwie haben beide recht
Ein Kompromiss zu finden war versucht worden, doch anscheinend ohne Erfolg. Und sicherlich haben beide Seiten gute Argumente für ihre Sichtweisen. Da ist der Verband, der sein Produkt so gut, so neutral wie möglich vermarktet haben will. Da ist der Verein bzw. die Streammacher, die ihr Herzblut und ihre Emotion an den Mann bringen wollen. Und damit haben ja irgendwie beide Recht. Derjenige, der die Musik bezahlt, möchte ja auch bestimmen, was gespielt wird. Und derjenige, der die Musik spielt, möchte eine gewisse kreative Freiheit.
Viel Zustimmung aber aber noch Luft nach oben
Doch wie sieht man im Allgemeinen das Live-Stream-Angebot? In einer nicht repräsentativen Umfrage auf dem Instagram-Kanal von Oberliga.info fanden 83% das Angebot gut oder sehr gut. Nur acht Prozent fanden es nicht gut. Man ist in Hamburg und Umgebung also froh, dass es dieses Angebot gibt und das, wie HFV-Präsident Christian Okun gegenüber dem Abendblatt mitteilte „auch niedrigschwellig“.
Doch es ist noch reichlich Luft nach oben. So waren von acht Livestreams des letzten Wochenendes sieben unkommentiert – nur in Dassendorf gab es eine stimmliche Begleitung des Spiels. Die Kameras stehen häufig sehr ungünstig – man blickt häufig auf eine Seite ohne Zuschauer, an vielen Plätzen hat man häufig Zuschauer direkt im Kamerablickfeld. Viel gravierender: am letzten Wochenende hat man im Livestream gleich zwei wichtige Entscheidungen (jeweils Feldverweise) verpasst – ein Umstand, der einfach nicht passieren darf. Auch zwischenzeitliche Bildausfälle gibt es immer wieder. Und das am 4. Februar noch immer keine Zusammenfassungen von Spielen am 31. Januar abrufbar sind, wirft ebenfalls kein gutes Licht.
Was der Fußball lernen kann
Letztlich muss man konstatieren, dass der HFV es gut meint, aber die Ausführung noch viel Luft nach oben hat. Hier muss der Verband mit den Vereinen ansetzen, um auch seinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.
Vielleicht lohnt mal ein Blick über den Tellerrand, genauer in die Eishockey-Oberliga. Auch hier werden alle Spiele verpflichtend gestreamt, auch hier sind Amateure am Werk und doch ist alles viel ganzheitlicher, mit Kommentar, verschiedenen Kameras und Optionen. Vor allem gibt es eins, was der HFV bisher nicht transportieren kann: Emotionen.